Niedergeschrien: Die Kasseler Berge
Gestern haben wir`s geschafft. Wir haben die Kasseler Berge fertig gemacht, nach Strich und Faden, niedergerast und niedergeschrien. Und das, nachdem sie uns zehn Jahre terrorisiert haben. Dazu muss man sagen, ich fahre das tapferste kleine Auto der Welt, einen Peugeot 106 Diesel, es hat Mut wie ein Bär, und ich ja auch. Aber jetzt diesele mal die Kasseler Berge hoch. 10 Jahre lang sind wir an diesen Monstern verreckt (ich muss mal rauskriegen, wie die alle heißen) und mussten immer kurz vor dem Gipfel in den dritten Gang zurückschalten, das ist unheimlich de-mü-ti-gend, aber diesmal haben wir uns schon ab Hamburg so auf die Sache konzentriert, dass wir schon voll auf Speed waren, als wir Göttingen passierten. Ich hab die Mistviecher gezählt, es sind sieben und das Schema ist das folgende: Man kämpft sich auf den Spuren 2 + 3 einen Kasseler Berg hoch (auf der Spur 1 flitzen die Siegertypen aus Hamburg, Frankfurt und München vorbei) und dann ist man oben und stürzt sich runter wie von einem steilen Skiabhang. Normalerweise müsste man bremsen, aber man braucht eine irre Geschwindigkeit, um auf der anderen Seite wieder hochzukommen, das wissen auch alle (die, die die Berge nicht kennen, fahren ins offene Messer) und alle gehen aufs Gas. Die Hype beginnt. Rasende Laster rechts, rasende Hamburger, Frankfurter und Münchner links, dazwischen wir: die Zähne gefletscht und in Hochspannung und tierisch konzentriert. Alle Kräfte, alle PS und alles Können zusammengenommen: Den einen Berg runterrasen, den nächsten hoch. Mit jedem Berg wird der Wahnsinn schlimmer, denn auf allen Spuren drehen sie jetzt durch, keiner nimmt mehr das Tempo raus, sondern gibt Gummi, alle sind im Harakiri und fragen sich, ob sie wieder lebend rauskommen, die Spuren 2 + 3 kämpfen ums nackte Überleben, während die Spur 1 auch zusehends nervös wird, weil jetzt alle mitrasen und die glauben, dass auf den Spuren 2 + 3 ja nur Blödmänner und Frauen unterwegs sind. Wieder runter und wieder hoch! Okay, gestern waren wenige Laster da, das hat es erleichtert, die fahren ja gegen die Kasseler Berge wie gegen eine Wand, man glaubt, die LKWs STEHEN da und gerät in Panik und zieht weiter nach links auf der Spur 2, da kreischen einen schon die BMW´s und die Mercedes Benz und Porsches von der Spur 1 an, klar, die wollen weiter ihren Platz und ihren Freiraum haben, daran ändern diese Berge ja nichts. Das Adrenalin schießt einem in den Kopf und so geht es dann über mindestens 40 Kilometer, eher 50 oder 60, das, was vorher nur eine Autobahn war, ist jetzt eine Blechlawine, die sich hektisch über diese Riesendinger wälzt. Man kann dem Irrsinn zusehen; kaum steht man oben auf einem Berg, sieht man schon den nächsten, und immer sind es so 10-Kilometer-Klopper, 4 rast du runter - Scheiß auf die Kurven, aus denen musst du schneller rausfahren, als du reingefahren bist - und 6 fährst du hoch, kurz vor der Spitze ist das Auto fix und fertig, am Ende, erledigt ...
... aber DIESMAL haben sie uns wie gesagt nicht gekriegt! Wir mussten NIE in den dritten Gang schalten, es war her-vor-ra-gend, souverän sind wir mit achtzig über die Kuppe gedonnert! (Wir bekommen 140 drauf, wenn wir auf der anderen Seite wieder runterstechen) ...
... am verhängnisvollsten ist es, wenn man anfängt, das Ganze als Film wahrzunehmen, das geht ganz schnell mit so einem Auto, das übrigens selbstständig das Fernlicht und Abblendlicht und Warnlicht gleichzeitig aufdreht, um die anderen auf den Spuren WEGZUSCHOCKEN (damit war ich also beschäftigt, diese Lichter immer wieder auszudrehen), und wenn man DANN denkt, das ist ein Film, das ist ein Albtraum, das ist ein Worst-Case-Szenario – weil es sich wie eine Achterbahn mit absolutem Tunnelblick anfühlt, nur dass du selbst der Fahrer bist und alle vor sich hinschlingern ... dann kannst du eigentlich gleich geradeaus aufs Feld fahren.
Als wir dann bei Bad Hersfeld das letzte der Ungeheuer hinter uns hatten, stürzten wir uns mit TRIUMPHGEHEUL der Pfefferhöhe entgegen – immer mit McCoyTyner im Ohr, vielleicht lags auch an DIESEM Maschinengewehrpianisten, dass wir es gepackt haben – dann wurde es noch mal schlimm, weil von links die Berliner auf die Autobahn flarken, während rechts die Münchner und Stuttgarter rausmüssen. Das ist ein wildes Rumsortieren auf sechs Spuren, die Laster schreien sich gegenseitig an und die kleinen Trabis auch - die gibts immer noch - und bis da alles da ist, wo es sein muss, sind wieder 5 Nervminuten vergangen. Als Rheinmainer muss man da ganz cool bleiben, darf sich nicht beirren lassen und stur geradeaus fahren ...
.. zwischen Bologna und Florenz ist es ähnlich, da führt die Raserei auf zwei Spuren durch enge Tunnel und man kommt nicht raus aus dem Terror, ist auf einem Horrortrip pur, und das mit lauter durchgedrehten Italienern ...
... wow, also gestern haben wir sie drangekriegt, endlich! Nach zehn Jahren! Wieder was abgehakt auf unserer Liste! Man muss nur lange genug abwarten, plötzlich hat man die Oberhand.
... aber DIESMAL haben sie uns wie gesagt nicht gekriegt! Wir mussten NIE in den dritten Gang schalten, es war her-vor-ra-gend, souverän sind wir mit achtzig über die Kuppe gedonnert! (Wir bekommen 140 drauf, wenn wir auf der anderen Seite wieder runterstechen) ...
... am verhängnisvollsten ist es, wenn man anfängt, das Ganze als Film wahrzunehmen, das geht ganz schnell mit so einem Auto, das übrigens selbstständig das Fernlicht und Abblendlicht und Warnlicht gleichzeitig aufdreht, um die anderen auf den Spuren WEGZUSCHOCKEN (damit war ich also beschäftigt, diese Lichter immer wieder auszudrehen), und wenn man DANN denkt, das ist ein Film, das ist ein Albtraum, das ist ein Worst-Case-Szenario – weil es sich wie eine Achterbahn mit absolutem Tunnelblick anfühlt, nur dass du selbst der Fahrer bist und alle vor sich hinschlingern ... dann kannst du eigentlich gleich geradeaus aufs Feld fahren.
Als wir dann bei Bad Hersfeld das letzte der Ungeheuer hinter uns hatten, stürzten wir uns mit TRIUMPHGEHEUL der Pfefferhöhe entgegen – immer mit McCoyTyner im Ohr, vielleicht lags auch an DIESEM Maschinengewehrpianisten, dass wir es gepackt haben – dann wurde es noch mal schlimm, weil von links die Berliner auf die Autobahn flarken, während rechts die Münchner und Stuttgarter rausmüssen. Das ist ein wildes Rumsortieren auf sechs Spuren, die Laster schreien sich gegenseitig an und die kleinen Trabis auch - die gibts immer noch - und bis da alles da ist, wo es sein muss, sind wieder 5 Nervminuten vergangen. Als Rheinmainer muss man da ganz cool bleiben, darf sich nicht beirren lassen und stur geradeaus fahren ...
.. zwischen Bologna und Florenz ist es ähnlich, da führt die Raserei auf zwei Spuren durch enge Tunnel und man kommt nicht raus aus dem Terror, ist auf einem Horrortrip pur, und das mit lauter durchgedrehten Italienern ...
... wow, also gestern haben wir sie drangekriegt, endlich! Nach zehn Jahren! Wieder was abgehakt auf unserer Liste! Man muss nur lange genug abwarten, plötzlich hat man die Oberhand.
Anobella - 9. Jan, 08:18


